Konfliktpotenzial in der Patchworkfamilie vermeiden

Immer mehr Familien in Deutschland sind sogenannte Patchworkfamilien. Während der Familienmix einige Vorteile besitzt, sind allerdings auch Familienprobleme keine Seltenheit. Die neuen Familienverhältnisse sowie die Rollen der einzelnen Familienmitglieder bergen ein gewisses Konfliktpotenzial.

Wie du mit familiären Auseinandersetzungen, Missverständnissen und anderen Problemen in deiner Patchworkfamilie am besten umgehen kannst, liest du hier.

Familie Patchwork HändeWas ist eine Patchworkfamilie?

Die Bezeichnung Patchworkfamilie stammt ursprünglich aus den USA und beschreibt eine Familie, in die beide Partner jeweils eigene Kinder eingebracht haben. Der Begriff Patchwork bezieht sich auf die Patchwork-Arbeit, einer bestimmten Form der Textilverarbeitung, bei der verschiedene Flicken und Stoffe miteinander verbunden werden.

Da es sich bei einer Patchworkfamilie ebenfalls um einen bunten Mix an Personen handelt, gilt die Bezeichnung als zutreffend. Seit Langem sind Patchworkfamilien auch in Deutschland keine Seltenheit mehr. Da heutzutage viele Ehen geschieden werden, hat die Anzahl an Patchworkfamilien in den letzten Jahren sogar spürbar zugenommen.

Allerdings kann das Zusammenleben in einer zusammengewürfelten Familie auch sehr anstrengend sein, vor allem wenn die einzelnen Familienmitglieder sehr unterschiedlich sind. Manchmal läuft es in der Patchworkfamilie nicht rund, sodass Familienprobleme keine Seltenheit sind.

Family Neon BlauWarum komplizierte Familienverhältnisse in einer Patchworkfamilie keine Seltenheit sind

Eine Patchworkfamilie besteht aus zwei Elternteilen, die in der Regel bereits Erfahrungen in Sachen Trennung gemacht haben sowie deren Kindern, die aus verschiedenen Beziehungen stammen können. Aufgrund komplizierter Familienverhältnisse ist ein gewisses Konfliktpotenzial vorhanden.

Wenn in deiner Patchworkfamilie nicht immer alles so klappt, wie du es dir vorstellst, solltest du dir jedoch nicht die Schuld dafür geben. Es ist normal, dass es zu Reibereien kommt, wenn ein neuer Partner, an den sich deine Kinder erst gewöhnen müssen, in dein Leben tritt.

Vor allem für Kinder, die mit der Trennung ihrer Eltern überfordert sind, kann die Patchworkfamilie eine große Herausforderung darstellen. Möglicherweise bekommen deine Kinder auch neue Geschwister, sodass es zu Eifersucht und Streit kommen kann.

Bevor du mit deinem neuen Partner zusammenziehst, sollten deshalb die Erziehungskompetenzen aufgeteilt werden. Deine Kinder müssen ebenso wie der Nachwuchs des neuen Partners wissen, wie das Familienleben zukünftig ablaufen soll.

Wichtige Regeln für die Mithilfe im Haushalt, Pünktlichkeit, und Ordnung sollten bereits vorher festgelegt werden. Eine Patchworkfamilie zu führen erfordert viel Geduld, Diplomatie und Verständnis. Gib deinen Kindern deshalb genügend Zeit, damit sie sich an die neuen Regeln und an das Leben in deiner Patchworkfamilie gewöhnen können.

Kompromissbereitschaft und Toleranz spielen eine große Rolle in der Patchworkfamilie

Kompromissbereitschaft und Toleranz sind wesentliche Faktoren, die das Familienleben in deiner Patchworkfamilie erleichtern können. Wenn deine Kinder noch im Kleinkindalter sind, bist du als Hauptbezugsperson besonders wichtig, damit sie die Trennung vom anderen Elternteil leichter überwinden und eine gute Beziehung zu deinem neuen Partner aufbauen können.

Gemeinsame Aktivitäten tragen dazu bei, dass der neue Partner die Zuneigung deiner Kinder gewinnen kann. Manchmal tun sich Kindergarten- und Vorschulkinder, die sich gerade in der Trotzphase befinden, mit den neuen Familienverhältnissen besonders schwer.

In diesem Alter reagieren viele Kinder mit Verlustängsten auf eine neue Partnerschaft ihrer Mutter oder ihres Vaters. Du solltest deinem Nachwuchs deshalb die neue Situation erklären und den Kindern versichern, dass sie weiterhin der Mittelpunkt deines Lebens sind.

Oft nehmen Kinder diese Veränderungen in ihrer Lebensumwelt als Bedrohung wahr oder geben sich selbst die Schuld für die Trennung der Eltern. Dies kann im Extremfall zu heftigen Reaktionen gegenüber deinem neuen Partner sowie dessen Kindern führen.

Zu den typischen Gefühlen, die häufig in der Anfangsphase einer Patchworkfamilie zu beobachten sind, zählen Wut, Eifersucht, Trauer und Zorn. Gefühlsausbrüche und die Ablehnung der Kinder sollten allerdings nicht persönlich genommen werden.

Die Ursache für die negativen Gefühle des Kindes ist meist Verlustangst oder ein Trauma aufgrund einer komplizierten Scheidung der Eltern. Falls deine Kinder Schwierigkeiten haben, die elterliche Trennung zu verarbeiten, kann professionelle Unterstützung (Kinderpsychologe oder Erziehungsberatung) eine Alternative sein, um das Zusammenleben in der Patchworkfamilie zu erleichtern.

Familie am Boden liegendWas tun wenn es in der Patchworkfamilie zu Konflikten kommt?

Scheidungskinder leiden häufig unter Loyalitätskonflikten und haben Probleme damit, ein neues Elternteil zu akzeptieren. Achte darauf, dass deine Kinder die Möglichkeit haben, ihren leiblichen Vater (oder die leibliche Mutter) weiterhin regelmäßig zu sehen.

Der neue Partner (oder die Partnerin) sollte sich verständnisvoll und zurückhaltend verhalten und es mit seinen Bemühungen um die Kinder zunächst nicht übertreiben. Wie in jeder Familie gibt es auch in einer Patchworkfamilie regelmäßig Streit und Konflikte. Dies ist grundsätzlich normal, wenn verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Interessen in einem Haushalt zusammenleben.

In einer Patchworkfamilie sind die Dinge jedoch ein wenig komplizierter, da neben allgemeinen Verhaltensregeln auch die Rollen der einzelnen Familienmitglieder sowie die Familienkonstellation erst neu definiert werden müssen. Deshalb kann es in deiner Patchworkfamilie auch Jahre nach der Familienzusammenführung noch zu Konflikten kommen.

Worauf du bei der Gründung einer Patchworkfamilie achten solltest

Wenn du eine Patchworkfamilie gründest, musst du möglicherweise mit Konflikten rechnen. Zu den wesentlichen Konfliktthemen, die bei Patchworkfamilienverhältnissen häufig vorkommen, zählen unter anderem die Beziehung zum Ex-Partner, die Überforderung der Kinder mit der neuen Situation sowie der Umgang mit den neuen Stiefgeschwistern und Probleme durch die unklare Rollenverteilung.

Die Gründung einer Patchworkfamilie bedeutet jedoch nicht automatisch, dass alle diese Probleme auftreten müssen. Je besser das Projekt Patchworkfamilie organisiert ist, desto größer ist die Chance, dass alle Familienmitglieder zueinander finden und eine positive Beziehung aufbauen können. Wenn möglich, solltest du deinen Kindern den neuen Partner bereits vorstellen, bevor ihr zusammenzieht.

Außerdem sollte dein Nachwuchs die Gelegenheit haben, die Kinder deines Partners zu treffen und gemeinsam etwas zu unternehmen, damit sich die zukünftigen Stiefgeschwister kennenlernen können. Um Missverständnisse und Unstimmigkeiten zu vermeiden, ist es wichtig, sich mit dem neuen Partner über den Erziehungsstil zu einigen.

Damit für ein entspanntes Familienleben gesorgt ist, sollten alle Kinder in einer Patchworkfamilie gleich behandelt und keines bevorzugt oder benachteiligt werden. Auch wenn du die Kinder deines neuen Partners nicht liebst, ist es wichtig, sie zu akzeptieren und zu respektieren.

Hände die zusammen haltenDie größten Herausforderungen in einer Patchworkfamilie

Zu den größten Herausforderungen in einer Patchworkfamilie gehört die Geburt eines gemeinsamen Babys mit dem neuen Partner. Für Kinder ist es grundsätzlich nicht leicht zu verstehen, dass sie die Liebe ihrer Eltern nun mit einem neuen Geschwisterchen teilen müssen.

In einer Patchworkfamilie ist diese Situation jedoch besonders schwierig und kann bei den Kindern neben Eifersucht auch starke Verlustängste auslösen. Mit Geduld, Verständnis und viel Einfühlsvermögen kannst du dafür sorgen, dass deine Kinder ihre Ängste überwinden und sich auf ihr neues Geschwisterchen freuen.

Wenn deine oder die Kinder deines neuen Partners nicht mit im gemeinsamen Haushalt leben, sondern nur am Wochenende zu Besuch kommen, sollte es keine besonderen Regeln geben, damit sich die Kinder, die tagtäglich in deiner Patchworkfamilie leben, nicht benachteiligt fühlen.

Die wichtigste Regel bei der Gründung einer Patchworkfamilie lautet: mit Toleranz und Verständnis klappt alles besser. Auch wenn es am Anfang scheinbar unüberbrückbare Differenzen gibt, solltest du wissen, dass eine gewisse Zeit vergeht, bis sich alle Familienmitglieder aneinander gewöhnt haben.

Eine Patchworkfamilie kann ebenso gut funktionieren wie eine "normale" Familie. Wenn sich deine Kinder in der neuen Familienkonstellation gut aufgehoben fühlen, werden sie sich gut entwickeln und können von den Vorteilen einer Patchworkfamilie profitieren.

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